ESWiD Evangelischer Bundesverband für Immobilienwesen in Wissenschaft und Praxis e.V.

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Geschichte

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Das ESWiD wurde 1952 als Verband der evangelischen Wohnungsunternehmen in Westdeutschland (Evangelisches Siedlungswerk in Deutschland e.V.) gegründet. Der Verband hat sich in den 60 Jahren seines Bestehens weit über den ursprünglichen Zweck hinaus entwickelt. Heute ist das ESWiD der Evangelische Bundesverband für Immobilienwesen in Wissenschaft und Praxis.

Gründungszeit

1952, im Gründungsjahr des ESWiD, ist das gesellschaftliche Leben in Deutschland immer noch wesentlich geprägt von den Erlebnissen und den Wirkungen des 2. Weltkrieges. 2,5 Millionen Wohnungen sind durch den Krieg vollkommen zerstört. Ein nicht enden wollender Strom von Flüchtlingen und Zwangsvertriebenen muss versorgt werden. Das Versorgungsdefizit von Haushalten und tatsächlichen Wohnungen liegt bei 48%, in den Städten bei bis zu 70%.

Ab der Währungsreform 1949 kann, aufgrund einer sich langsam entwickelnden Bautätigkeit, mit der Beseitigung dieser immensen Not begonnen werden. Landeskirchen gründen eine Reihe von evangelischen Wohnungsunternehmen. Damit beteiligen sich die Kirchen sichtbar und tatkräftig an der Aufbauarbeit. Die notwendigen Finanzierungsmittel für die Bewältigung dieser Aufbauarbeit können aber nicht aus eigener Kraft beigesteuert werden. Vielmehr bedarf es internationaler Unterstützung, damit Unternehmen, bauwillige Familien und Baugruppen tätig werden können.

Mit Eugen Gerstenmaier, dem Gründungsvater des ESWiD - stark unterstützt von dem evangelischen Theologen Otto Dibelius - können internationale Hilfsgelder über das ESWiD für die Baumaßnahmen beantragt und weitergeleitet werden. Das ESWiD beantragt, verwaltet und verteilt zur Errichtung von Eigenheimen, Kleinsiedlungen, Eigentumswohnungen und Mietwohnungen diese internationalen Hilfsgelder. Mit 4.200.000 DM (ca. 2.150.000 Euro) ist das UNREF-Darlehen (United Nations Refugee Fund) der größte „Fördertopf“. Er wurde vom Hohen Flüchlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR), zur Förderung von Mietwohnungen für ausländische Flüchtlinge, herausgegeben. Die Rückzahlung der Darlehen erfolgt bis ins Jahr 2006.

Neben dieser unmittelbaren tätigen Hilfe zeigt sich sehr bald, dass ein Wirken in den politischen Bereich hinein unerlässlich ist, um Wohnungspolitik zu gestalten, damit die Lebensverhältnisse vieler beeinflusst werden und die Grundlagen der christlichen Wertvorstellung gewahrt bleiben, auf denen unser Gemeinwesen beruht.

Heutiges Selbstverständnis.

In den 60 Jahren des Bestehens des ESWiD ändern sich seine Aufgaben. Die Wohnungsnot ist überwunden. Nach wie vor gibt es aber Bevölkerungsgruppen, deren Zugang zum Wohnungsmarkt erschwert ist. Es gibt eine steigende Tendenz der sozialen Schieflage und die Gesellschaft erkrankt an dem Mangel mitmenschlicher Beziehungen.

Daher ist es im ursprünglichen Sinne des ESWiD nach wie vor Aufgabe, in dem politischen Bereich die Wertvorstellungen der christlichen Ethik zu artikulieren und zu vertreten. Hierzu schließt sich das ESWiD 1977 in einer Arbeitsgemeinschaft (AEK) mit dem katholischen Partnerverband, Katholischer Siedlungsdienst (KSD), zusammen.

Kommunikation zwischen widerstreitenden Interessen

Wir sind davon überzeugt, dass nur bei Ausgleich sozialer Verantwortung und Berücksichtigung des christlichen Lebensbildes eine gesellschaftliche Stabilität erreicht wird, die uns Sicherheit, wirtschaftliches Auskommen und sozialen Frieden für alle Bevölkerungsgruppen sichert. Um diesen Ausgleich muss ständig gerungen werden. Dazu bedarf es fachkundiger Stimmen und Foren, in denen verschiedene Auffassungen diskutiert werden können. Das ESWiD hat daher vor mehreren Jahrzehnten, im Bereich der Rechtsentwicklung ein Forum geschaffen, das es ermöglicht, in einer guten Weise miteinander zu diskutieren, rechtliche Regelungslücken zu erkennen, Lösungsvorschläge zu erarbeiten und zusammen mit den Ministerien, insbesondere mit dem Justizministerium, im Gespräch zu bleiben. Bezeichnend nennt sich dieses Forum „Partner im Gespräch“. Dahinter steht die Vorstellung, dass alle Beteiligten, egal ob es sich um Mieter, Vermieter, Eigentümer, Bauträger, Richter, Wissenschaftler oder Vertreter aus den Ministerien handelt, nur im Dialog miteinander eine Entwicklung gestalten können, die auf einem breiten Konsens beruht.

Ein Ausfluss dieser Vorstellung ist auch die Gründung des Deutschen Ständigen Schiedsgerichts für Wohnungseigentum e.V. Das ESWiD ist Gründungsmitglied und leitet seit 2009 die Geschäftsstelle. Dr. h.c. Hanns Seuß, der langjährige Geschäftsführende Vorstand des ESWiD, hat das Schiedsgericht wesentlich konzipiert.

Fachforen "Partner im Gespräch" seit 1975

Die Immobilienkrise der frühen 70er Jahre in Form von Halden unverkaufter Eigentumswohnungen, Zusammenbrüche von Bau- und Wohnungsunternehmen sowie der zahlenmäßige schnelle Anstieg von Eigentumswohnungen bringt erhebliche Probleme mit sich. Insbesondere entstehen im Verhältnis der Wohnungseigentümer zu Ihren Verwaltern große Reibungsverluste.

Dies ist für das ESWiD Anlass, sich an der Diskussion zu beteiligen mit dem Ziel einer Verständigung zwischen den kontrahierenden Parteien. Folgerichtig wird daher die Veranstaltungsreihe zum Wohnungseigentumsrecht 1975 in Fischen im Allgäu begonnen. Es zeigt sich sehr bald, dass auch im Bereich des Mietrechts ein entsprechendes Forum wichtig ist. Seit 1982 wird daher die zweite Reihe „Partner im Gespräch“ in durchgeführt. Der Veranstaltungsort ist heute Rosenheim.

In den 90iger Jahren des 20. Jahrhunderts werden jährlich in Dresden die besonderen immobilienrechtlichen Fragen, die sich aus der Vereinigung der beiden deutschen Staaten insbesondere für Ostdeutschland ergeben, behandelt.
2002 wird mit einer neuen Gesprächsreihe begonnen, mit den Weimarer Baurechtstagen. Schwerpunkt ist hier das Bau- und Bauträgerrecht. Bewusst wird ein mitteldeutscher Veranstaltungsort gewählt mit einer besonderen Geistes- und Baugeschichte.

Die Teilnehmer der jeweiligen Veranstaltungen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Viele sind seit der ersten Veranstaltung jährlich Gast in Fischen oder Rosenheim (früher Berchtesgaden), wobei sich die Veranstaltungsreihe in Fischen als ein ganz besonderes Forum herausentwickelt hat. Wesentliche Impulse der Rechtsentwicklung gehen von Fischen aus. Die Spezialisten im Wohnungseigentumsrecht sind dort etabliert, sodass sich der Spannungsbogen und die Prägung der Veranstaltung von den Gründungsvätern des Wohnungseigentumsrechts, Prof. Dr. Johannes Bärmann und Prof. Dr. Hermann Weitnauer, bis zu den jungen Nachwuchswissenschaftlern spannt.

Wissenschaftliche Schriftenreihe „Partner im Gespräch“

Die Referate und Ergebnisse aller Fachgespräche werden in der Schriftenreihe „Partner im Gespräch“ dokumentiert. Diese Schriftenreihe erscheint seit 1976 und hat bis 2011 insgesamt 90 Ausgaben. Die Schriftenreihe dient sowohl der Rechtsprechung als auch der Literatur in den Bereichen des Wohnungseigentums-, Miet- und Baurechts als Nachweis der neuesten Erkenntnisse in diesen Rechtsgebieten. Darüber hinaus wurden in der Schriftenreihe auch einige Dissertationen und Festschriften veröffentlicht.

Wissenschaftliche Zeitschrift „Zeitschrift für Wohnungseigentumsrecht

Die besondere Bedeutung des Wohnungseigentumsrechtes wird durch die Zeitschrift für Wohnungseigentumsrecht unterstrichen. Seit dem Jahr 2000 erscheint sie monatlich und beinhaltet alle Referate der Fischener Veranstaltung sowie Beiträge zu aktuellen Fragen des Wohnungseigentumsrechtes, die aktuelle Rechtsprechung, im Volltext und in Leitsätzen und zusätzlich je Ausgabe, die Entscheidung des Monats.

Immobilienmanagement in Kirche und Diakonie

Seit dem Jahr 2003 befassen sich das ESWiD und seine Mitgliedsunternehmen verstärkt mit dem Thema der Immobilien der Kirche (Kirchen) und der Diakonie. Hierzu wurde im Jahr 2004 ein Projekt initiiert, an dem sich 16 kirchliche Institutionen beteiligen. Im Rahmen dieses Projektes wurde untersucht, welche Informationen kirchliche Organisationen brauchen, um bezüglich ihrer Immobilien Entscheidungen zu treffen, die in die Zukunft wirken und wie die Kommunikationswege sowie Prozessabläufe geschaffen sein müssen, damit Entscheidungen getroffen werden, die auf eine breite Akzeptanz stoßen (vgl. Kirchliches Immobilienmanagement).

Die Beschäftigung mit dem Thema des kirchlichen Immobilienmanagements führt zur Entwicklung des Ecclesiastic Real Estate Management EREM für den Bereich der verfassten Kirche und in Fortführung dazu zum Welfare Real Estate Management (WeREM) für Sozialunternehmen. Die Erkenntnisse aus den Pilotprojekten werden in der Publikation Kirchliches Immobilienmanagement - Der Leitfaden zusammengefasst. Dies ist die erste Publikation, die das Thema Immobilien in der Kirche im gesamten theologischen und kaufmännischen Spektrum betrachtet.
 


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